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Meine Erfahrungen als Lernender Mediamatiker

02. September 22 by Patrick Gutherz

Was macht ein/e Mediamatiker/in eigentlich und wie sieht die Ausbildung aus? Patrick Gutherz zeigt in seinem Erfahrungsbericht verschiedene Aspekte der Lehre auf, beginnend mit der Berufswahl bis hin zum Lehrabschluss und seiner heutigen Tätigkeit. Dabei gibt er hilfreiche Tipps und verschafft einen Einblick in seinen Arbeitsalltag.


Vor der Lehre

Im zweiten Jahr an der Bezirksschule in Reinach AG startete die Vorbereitung auf meine berufliche Laufbahn mit dem Berufswahlunterricht. Da ich in unserer Klasse zu den besten Schülern zählte und dies den meisten Lehrpersonen auch bewusst war, wurde ich von vielen als angehender Akademiker abgestempelt, der nach Abschluss der Bezirksschule an die Kantonsschule gehen wird. Ich persönlich empfand es für mich nicht als den richtigen Weg, mindestens die nächsten vier Jahre täglich die Schule zu besuchen und keine Erfahrung im Berufsleben sammeln zu können. Dazu kommt der logische nächste Schritt eines Studiums, bei welchem mir Einblicke in die Arbeitswelt ebenfalls verwehrt bleiben würden.


Da mich der Berufswahlunterricht nicht weiterbrachte und ich noch keine konkreten Vorstellungen eines Lehrberufs hatte, der für mich in Frage kommen würde, verschaffte ich mir einen Überblick aller Ausbildungen in der Schweiz mithilfe von LENA (Lehrstellennachweis). Dort entdeckte ich viele neue Berufe, von deren Existenz ich bisher nicht wusste oder an die ich bisher schlichtweg nicht dachte. Die wenigen Ausbildungen, die mich aufgrund des Profils interessierten, umfassten unter anderem den Physiklaboranten, den Interactive Media Designer und den Mediamatiker. Diese wollte ich mir nun etwas genauer ansehen, jedoch brachten sie alle eine gemeinsame Problematik mit sich; wenig Ausbildungsplätze. Daher boten die meisten Ausbildungsbetriebe auch keine Schnupperlehren an, ohne die Bedingung, dass man sich bereits für die Lehrstelle beworben haben musste. Glücklicherweise konnte ich mich für einen Info-Tag über den Mediamatiker bei Möbel Pfister anmelden und dort einige Infos über die Ausbildung erhalten. Dies reichte aus, um mich restlos von der Lehre als Mediamatiker zu überzeugen.


Mit der Kantonsschule als Plan B in der Hinterhand fokussierte ich mich auf die Suche nach einer Lehrstelle als Mediamatiker. Ich bewarb mich an verschiedenen Orten, besuchte weitere Info-Tage und konnte in unterschiedlichen Betrieben Mediamatik-Luft schnuppern. Schlussendlich erhielt ich eine Zusage von meinem Wunschbetrieb, der Möbel Pfister AG und ich war unfassbar glücklich darüber.


Meine Tipps und Tricks für die Berufswahl

  • Informiere dich frühzeitig über Ausbildungsberufe, die in deiner Region angeboten werden und deinen Interessen entsprechen- Besuche aktiv Infotage und Schnupperlehren
  • Die Initiative liegt bei dir
  • Wenn der Beruf klar ist, versuche möglichst viele Betriebe kennenzulernen
  • Behalte deine eigenen Wünsche und Ziele vor Augen, auch wenn ein anderer Bildungsweg vorgeschlagen wird/üblich ist












Während der Lehre

Mit jungen 15 Jahren begann ich im August 2018 meine Lehre als Mediamatiker und war von Allem, was mir diese neue Welt bot, überwältigt. In der Abteilung IT-Services, in welcher ich meine Ausbildung begann, wurde ich zuerst von allen Mitarbeitenden in ihre Themenbereiche eingeführt. Trotz aufmerksamem Zuhören verstand ich nicht alle Zusammenhänge zwischen den Applikationen, Systemen und Datenbanken, was jedoch nicht weiter schlimm war.


Bereits nach einer Woche stand ein erstes Team-Event mit dem gesamten Geschäftsbereich Digital Business and Corporate Development und den darin enthaltenen Abteilungen IT-Services, E-Commerce, Customer Business Intelligence und Corporate Development statt. Mit allen Mitarbeitenden dieser Abteilungen reisten wir nach Thun, von wo aus wir mit einem Gummiboot auf der Aare nach Bern schwammen und dort gemeinsam assen. Für mich persönlich half dies extrem, die Leute ein wenig besser kennenzulernen und mich in den Bereich einzugliedern.


Während meiner Lehre konnte ich jedes Semester eine andere Abteilung besuchen und so die verschiedenen Bereiche meines Lehrbetriebs kennenlernen. So konnte ich viele verschiedene Arbeiten ausführen und erhielt auch schon sehr früh viel Verantwortung. Ich konnte so aktiv das Daily Business beeinflussen, was für mich als Lernender unglaublich schön war und die Wertschätzung von Pfister mir gegenüber darlegte.


Auszug aus meinen vielfältigen Arbeiten über alle 4 Lehrjahre:

  • Mitarbeit im Projekt Workplace Refresh (Aufsetzen von neuen Geräten, Austausch der Geräte in verschiedenen Filialen, Schulung von Mitarbeitenden im Umgang mit Tablets)
  • Arbeiten mit CMS rund um die Webseite von Pfister sowie neuem Presse-Portal
  • Diverse Video-Projekte, die ich selbstständig erarbeiten (planen, produzieren, veröffentlichen) durfte
  • Inhalt für verschiedene Social-Media-Kanäle produzieren und Beiträge posten
  • Datenanalyse im Team CBI (Customer Business Intelligence)
  • Unterstützung des Servicedesks (technischen Support für unsere Mitarbeitenden)


Neben den spannenden Aufgaben im Betrieb konnten wir auch in der Schule verschiedene Projekte erarbeiten. Zum Beispiel starteten wir in Zweiergruppen ein Projekt, welches die Gründung einer Marke mit eigenem Produkt, Logo, CI/CD und umfassendem Marketing-Auftritt beinhaltete. Mein Partner und ich entschieden uns für eine Kleidungsmarke mit dem Namen "Your Choice", hinter der die Botschaft steht, dass jeder Mensch für seinen eigenen Lebensweg verantwortlich ist und mit seinen Entscheidungen alles beeinflussen kann. Mit einem Pullover und T-Shirt in einem asiatischen Streetwear-Look hatten wir unser Produkt gefunden und kreierten ein Wort-Logo aus unserem Namen. Zum Marketing-Auftritt gehörte ein Fotoshooting mit dem Produkt, ein Werbevideo und eine Plakat-Serie aus drei Teilen. Zum Schluss dokumentierten wir unser gesamtes Vorgehen und gaben alle unsere Produktionen nach vier Monaten schlussendlich ab. Zusammen mit dem Fachgespräch, in welchem es um theoretische Kenntnisse im Bereich der Medienproduktion und Gestaltung ging, erreichten wir so unsere erste Abschlussnote.


Im vierten Lehrjahr ging es dann um die Erarbeitung der IDPA, kurz für interdisziplinäre Projektarbeit. Als Vorgabe erhielten wir das Oberthema Nachhaltigkeit in der Wirtschaft, zu welchem wir uns in Vierergruppen ein eigenes Unterthema aussuchen konnten. Wir machten uns sehr unterschiedliche Gedanken, welches Thema wir auswählen sollen, da das Oberthema sehr offen vorgegeben war. Schlussendlich entschieden wir uns für Elektromobilität, da uns dieser Bereich sehr interessierte und wir dazu leicht eine Arbeit schreiben könnten. Im Zentrum der IDPA sollte eine Feldarbeit in Form einer Umfrage, eines Interviews oder ähnlichem stehen. Wir legten uns darauf fest, dass wir eine digitale Umfrage mit Fragestellungen zu Vorurteilen gegenüber Elektroautos als Feldarbeit wählen. Damit zielten wir darauf ab, herauszufinden, ob in der Schweiz noch immer viele falsche Vorurteile über Elektroautos herrschen und diese wollten wir anschliessend aufklären.


In unserer Umfrage behandelten wir Aussagen wie beispielsweise "Ein Elektroauto ist teurer als ein Auto mit herkömmlichem Antrieb.", zu denen die Befragten ihre Einschätzung abgeben konnten. Mit mehr als 200 Antworten konnten wir einschätzen, ob die Behauptungen jeweils eher gesellschaftlich akzeptiert sind oder nicht. In unserer Dokumentation klärten wir die grössten Vorurteile auf und wägten ab, ob sie wahr oder falsch sind. Nach fünf Monaten konnten wir unsere Arbeit abgeben und unseren Experten präsentieren.















Der grosse Abschluss der Lehre bildet dann die individuelle Produktivarbeit, kurz IPA. Das Thema wurde gemeinsam mit meiner Berufsbildnerin definiert und ich konnte so auch eine Arbeit umsetzen, die mich sehr interessierte. Die Produktion des Employer Branding Videos zur IT von Pfister bot mir einige Herausforderungen, die es zu meistern galt, jedoch hatte ich während der gesamten Arbeit viel Spass. Der Druck des Scheiterns war zwar allgegenwärtig und auch der Zeitdruck liess während den zehn Tagen nicht nach, trotzdem war ich stets zuversichtlich und die Dauer schien absehbar. Rechtzeitig konnte ich mein Video und die dazugehörige Dokumentation am letzten Tag abgeben und eine Woche später meine Präsentation vor den Experten halten. Auch das anschliessende Fachgespräch forderte mich zwar etwas, jedoch waren die Fragen fair gestellt und bewertet, sodass ich eine souveräne IPA abschliessen konnte.


Nach erfolgreichem Abschliessen der IPA begann bereits die Vorbereitung auf die Qualifikationsverfahren. Da ich parallel zur Ausbildung auch die Berufsmatura absolvierte, standen für mich insgesamt sechs Abschlussprüfungen in den Fächern Mathematik, Finanz- und Rechnungswesen, Wirtschaft und Gesellschaft, Informatik, Englisch und Französisch an. Glücklicherweise begannen wir bereits zu Beginn des letzten Semesters in den Schullektionen mit der Repetition aller Themen, wobei die Planungen der einzelnen Lehrpersonen sehr unterschiedlich aussahen. Da ich mir die Zeit gut einteilte und bereits früh mit dem Vorbereiten startete, konnte ich alle Themen in den verschiedenen Fächern mehrfach repetieren und vertiefen, sodass ich mit einem guten Gefühl meine Qualifikationsverfahren bestreiten konnte. Obwohl ich auch nach den Prüfungen zuversichtlich war, trat die Erleichterung erst mit dem Erhalt der Bestätigung, dass ich bestanden habe, so richtig ein.


Meine Tipps und Tricks während der Ausbildung

  • Gehe offen auf Mitmenschen zu und unterhalte dich mit ihnen – niemand will dir etwas Böses
  • Nimm alle Informationen immer so gut wie möglich auf und versuche zu verstehen, auch wenn du die Zusammenhänge erst später in der Ausbildung schliessen kannst
  • Frage aktiv nach und schau auch über den Tellerrand einer Aufgabe hinaus – du kannst nur davon profitieren
  • Lebe die vielfältigen Seiten des Mediamatiker-Berufs aus und finde so deine eigenen Stärken, die du später verfolgen möchtest


Meine Tipps und Tricks beim Lehrabschluss

  • Suche bei den Projektarbeiten IDPA und IPA Themen aus, die dich interessieren, so fällt es dir leichter, eine bessere Arbeit zu schreiben
  • Beginne früh genug mit der Vorbereitung auf die QVs und teile dir die Zeit gut ein
  • Löse möglichst viele Aufgaben zu allen Themen und frage deine Lehrperson nach alten Abschlussprüfungen, diese bereiten dich am besten auf deine QV vor
  • Lass dich vom Druck nicht zermürben – DU SCHAFFST DAS!



Nach der Lehre

Ich hatte das grosse Glück, dass mich Pfister nach meinem erfolgreichen Lehrabschluss bei sich behalten wollte und so konnte ich eine für mich passende Stelle bei Pfister per 1. August antreten. Als Junior Business Analyst arbeite ich zusammen mit meinem Team mit verschiedenen Abteilungen zusammen. Der Kern meines Aufgabenbereichs besteht darin, Kunden für Werbemittelversände zu selektieren, Auswertungen verschiedener Marketing-Kampagnen und -Massnahmen zu erstellen und anhand dessen Handlungsempfehlungen abzugeben. Da ich ein sehr analytisch denkender Mensch bin, passt diese Stelle sehr gut zu mir und ich konnte während der Lehre bereits in diesem Bereich Erfahrungen sammeln.


Für die längerfristige Zukunft weiss ich noch nicht genau, welche Ziele ich verfolge. Aktuell möchte ich erst im Arbeitsleben ankommen, bevor ich mich an eine Weiterbildung oder gar ein Studium wage. Ich kann mir jedoch sehr gut vorstellen, in diesem Bereich zu bleiben und auch noch viele Jahre bei Pfister zu arbeiten.


Verfasst von Patrick Gutherz, Mediamatiker-Lernender von 01.08.2018 – 31.07.2022