Ein Lehrbetrieb mit Pfupf

Roland Walther leitet die Berufslehrausbildung bei T-Systems Schweiz, Finalist als bester Lehrbetrieb in der Kategorie Grossunternehmen beim «ICT Education & Training Award» 2017.

Roland Walther




Ein Lehrbetrieb mit Pfupf
Roland Walther | Leiter Berufslehrausbildung, T-Systems Schweiz

Sein Erfolgsrezept: «Eine gute Lehrausbildung beruht auf mehreren Standbeinen: Wichtig ist, dass das Ausbildungskonzept auf Nachhaltigkeit und Langfristigkeit ausgerichtet ist. Ferner gehört unbedingt das Commitment der Geschäftsleitung dazu, junge Talente fördern zu wollen und dafür entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen.» Weitere Faktoren betreffen das Setup der Berufslehre unmittelbar: Wichtig sei der ganze Prozess von der Rekrutierung über die Betreuung bis hin zu den Perspektiven, die man den jungen Berufsleuten biete. 

Bei T-Systems ist bereits der Bewerbungsprozess mehrstufig: Auf die Bewerbung folgt ein Rekrutierungstag mit Tests und Teamarbeiten zur Abklärung, ob die Anwärter überhaupt die für die ICT-Lehre zwingenden Voraussetzungen im mathematischen und logischen Denken mitbringen. Anschliessend werden zu einem persönlichen Gespräch immer auch die Eltern eingeladen, um das familiäre und soziale Umfeld des Jugendlichen besser einschätzen zu können. Von den bis zu 200 Informatik-Bewerbern, die beim ICT-Dienstleister jährlich anklopfen, werden 4 bis 5 schlussendlich aufgenommen und vom Lehrbetrieb von Beginn weg engmaschig betreut. Denn wichtig sind T-Systems nicht nur deren berufliche Fähigkeiten, sondern auch die «Soft Skills», damit Lehrling und Betrieb auch wirklich zueinander passen. Alle Lehrlingsbetreuer haben ein Lehrmeisterzertifikat – ihr Auftrag ist es, den Lehrling fachlich und personell zu führen – und auch eine vertrauensvolle Beziehung aufzubauen. Die Personalabteilung steuert und coacht beide Seiten. 

Die Ausbildungsmodule bauen aufeinander auf: Auf das Basisjahr folgt ein «Rotationsjahr», in dem der Lehrling verschiedene Abteilungen in der Praxis kennenlernt und sich ein Wunsch nach Spezialisierung formen kann, die dann im 3. und 4. Lehrjahr vertieft wird. T-Systems bietet grundsätzlich allen Lehrlingen ein einjähriges Praktikum im Anschluss an die Lehre an. In dieser Frist kann gleichzeitig auch die angestrebte Festanstellung vorbereitet werden. 

So konzeptionell der Lehrbetrieb vorgeht, so lässt er doch immer wieder kreative Elemente einfliessen. T-Systems arbeitet mit der Lehrstellenbörse Yousty zusammen und setzt innovative Tools wie Roboterprogrammierung oder Computerspiele ein, um die Jugendlichen dort «abzuholen», wo sie Spass an Informatik finden. Eine gemeinsame Projektwoche ist integraler Bestandteil des Lehreintritts: In der Lenk wird in einer gemeinsamen Unterkunft gekocht, geputzt und auch einmal etwas ganz anderes als IT ausprobiert: Die Lehrlinge unterstützen die Gemeinde bei Forst- und Schwellenarbeiten und helfen Bergbauern bei der täglichen Arbeit. In enger Zusammenarbeit mit dem ortsansässigen Altersheim sammeln die Jugendlichen wertvolle Erfahrungen im Austausch mit betagten Menschen.

Ganz wichtig sind laut Walther auch die flankierenden Massnahmen: Dazu gehören 6-10 Schulbesuche pro Jahr, ein attraktives Programm am Nationalen Zukunftstag, spezielle Anlässe, die auf Mädchen zugeschnitten sind, oder Schnupperlehren. 13 ICT-Lehrlinge bildet T-Systems derzeit aus, hinzu kommen nochmals 12 KV-Stifte. 

 

Walther selbst engagiert sich in der Region Bern in der Kurskommission des Verbandes und gibt seine Erfahrungen auch ausserhalb der ICT-Branche an interessierte KMU weiter.